Vladimir Horowitz´ Berliner Recital vom 18. Mai 1986 erstmals auf CD

Horowitz BerlinIm Februar 1986 machte der damalige Kultursenator von Berlin die Sensation im Radio öffentlich: der russische Jahrhundertpianist Vladimir Horowitz wird im Rahmen der Berliner Festspiele wieder ein Konzert in Berlin geben. Und kaum war der Termin für den Vorverkauf bekannt, bildete sich eine über 400 Meter lange Warteschlange vor dem Kartenbüro der Berliner Philharmonie. Als am Pfingstsonntag, dem 18. Mai 1986, schließlich Vladimir Horowitz nachmittags das Podium betrat, wurde der 82-Jährige mit minutenlangen stehenden Ovationen empfangen. Nach immerhin über fünf Jahrzehnten war diese Klavierlegende wieder in jener Stadt zu hören, in der 1925 sein Exil begann und in der er in den 1920er Jahren mit berühmten Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter begeistert hatte. Mit seinem Auftritt im Mai 1986 krönte Horowitz eine mehrwöchige Reise, die ihn zu seinen alten Wirkungsstätten führte. Horowitz, der seit 1939 in den USA lebte, war zunächst nach 61 Jahren Abwesenheit in Moskau und im ehemaligen Leningrad wieder aufgetreten, bevor er erst in Hamburg am 11. Mai und eine Woche später in Berlin gastierte.

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Welchen historischen Stellenwert die Rückkehr von Horowitz nach Berlin damals besaß, dokumentiert die Tatsache, dass die Vorbereitungen zu dem Konzert ein Medienereignis ersten Ranges waren: Das Fernsehen wie auch alle wichtigen Tages- und Wochenzeitungen berichteten mehrmals in allen Details über die Vorbereitungen zu dem Konzert und die Reaktionen danach. Berlin war im Horowitz-Fieber, die Schwarzmarktpreise erreichten astronomische Höhen und die Schallplattenläden machten noch nie erlebte Umsätze. Zudem wurde das Konzert, bei dem die gesamte Berliner Politik- und Kulturprominenz und der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker persönlich anwesend waren, live aus der Berliner Philharmonie nicht nur über den SFB, BR, NDR, Südwestfunk, und WDR in der damaligen BRD, sondern auch in der DDR, der Schweiz und nach Frankreich übertragen. Der Live-Mitschnitt des kompletten Konzertes vom SFB Sender Freies Berlin (heute Radio Berlin Brandenburg) erscheint jetzt bei Sony Classical erstmals auf einer Doppel-CD und in zwei Fassungen: die Radio-Version umfasst das Konzert und die gesamte Radiomoderation (Norbert Ely) sowie die Pausengespräche mit Horowitz´ Klaviertechniker Franz Mohr und mit dem ehemaligen Intendanten der Berliner Philharmoniker Wolfgang Stresemann sowie mit Horowitz` Manager, Peter Gelb. Alternativ erscheint die CD auch mit einem Miniposter des damaligen Konzertplakates in einer reinen Konzertfassung ohne Moderation.

Auf dem Programm des Recitals von Vladimir Horowitz standen Werke von Komponisten, mit denen er seinen Ruf als letzter Romantiker begründete. Neben drei Klaviersonaten von Domenico Scarlatti spielte der „letzte Romantiker“ Schumanns „Kreisleriana“ sowie ausgewählte Klavierstücke von Liszt, Rachmaninow, Skrjabin und Chopin. Als Zugaben waren zudem Schumanns „Träumerei“ und die virtuosen „Etincelles“ von Moritz Moszkowski zu hören. Neben solchen pianistischen Bravour-Akten faszinieren beim Spiel des späten Horowitz vor allem die Wärme und Farbigkeit, mit der er sein Credo von der subjektiven Nachschöpfung mit Geist und Seele umsetzte. Horowitz war von dem Empfang, den die Berliner ihm bereiteten, der Atmosphäre des Konzertes und dem Klang der Philharmonie so begeistert, dass er sich am Abend nach dem Konzert spontan entschied, sechs Tage später ein Zusatzkonzert zu geben, welches innerhalb einer Stunde nach der Ankündigung ebenfalls vollständig ausverkauft war.

Drei Jahre später, am 5. November 1989, starb Vladimir Horowitz in New York.
Komplettiert wird die Welterstveröffentlichung von einem Essay von Jürgen Kesting sowie von Erinnerungen des damaligen Radiomoderators Norbert Ely, von Ursula Klein vom SFB und von Elmar Weingarten, der bei den Berliner Festspielen maßgeblich für die Rückkehr von Horowitz nach Berlin verantwortlich gewesen ist.

Quelle: Sony Music
Link zur Quelle: http://www.sonymusic.de/

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